Die Plüschtiere, Anti-Stress-Figuren und Entchen der deutschen MBW sind sympathisch: Sie laden zum Entspannen ein und zaubern dem Empfänger mühelos ein Lächeln ins Gesicht. Mit drei eigenen Qualitätsmarken und Dutzenden Themenvariationen ist es möglich, die Produkte vollständig auf die Welt des Empfängers auszurichten. Die Geschäftsführung richtet sich mit AI Inspiration, Getreidestängeln als Herstellmaterial und sanft summenden Robotern im Produktionsbereich auf die Zukunft aus. Doch selbst ist CEO Jan Breuer seiner Geschichte und seinen Wurzeln im Dorf Wanderup, nahe Flensburg, immer treu geblieben. 2025 feierte MBW sein 45-jähriges Bestehen, ein guter Grund, den Lieferanten besser kennenzulernen und zu hören, wie alles begann.
Jan Breuer: „Wir sind hier im äußersten Norden Deutschlands. Wanderup ist ein kleines Dorf mit etwa 3000 Einwohnern, auf der linken Seite die Nordsee, auf der rechten Seite die Ostsee, und zehn Minuten weiter oben liegt die dänische Grenze. Wir sind also sehr „nördlich“, aber absolut nicht kalt und sehr sympathisch!
Reflektoren
„Ich wurde 1983 in Flensburg geboren und so lange ich mich erinnern kann, wohnten wir in Wanderup. Meine Eltern leben hier auch noch immer. Meine Mutter war die erste Mitarbeiterin dieses Unternehmens. Es hieß damals noch MB und stand für Monika Both. Monika und ihr Ehemann Walter gründeten das Unternehmen 1980. Die alten Gebäude befanden sich mitten im Dorf, zwei Stück und ein Lager. Ihre ersten Produkte waren Fußgängerreflektoren in verschiedenen Formen und Darstellungen. Sie hatten den Artikel während eines Urlaubs in Finnland entdeckt und entschieden, dass es ein gutes Produkt zum Importieren sei. Kinder konnten diese an ihren Jacken anstecken und wurden so im Dunkeln besser gesehen.
Nach den ersten Schritten im Einzelhandel bewies sich das Produkt gut in der Werbeartikelindustrie. Darauf bauten sie weiter auf, später auch mit Fahrradhelmen, Flaschenöffnern und bedruckten T-Shirts. Noch später kamen dann die Stressfiguren, die Entchen und Kuscheltiere hinzu. Ich wurde bereits als Modell im Katalog verwendet, da meine Mutter in der Finanzabteilung arbeitete.
2000 begann ich hier mit sechzehn Jahren meine Ausbildung zum (internationalen) Großhandelskaufmann. Ich wollte unbedingt arbeiten und wurde Teil des Verkaufsteams. Ich besuchte Kunden und Messen und traf dabei viele nette Menschen aus der Branche.“
Wie war es, mit deiner Mutter zusammenzuarbeiten?
„Nach über dreißig Jahren im Unternehmen ging sie 2019 in den Ruhestand. Also habe ich lange mit ihr zusammengearbeitet, auch als ihr Vorgesetzter! Als Monika und Walter 2014 in Rente gingen, habe ich MBW übernommen. Fünf Jahre lang war ich also der Chef meiner Mutter. Zum Glück hatte sie damit keine Probleme, und ich auch nicht. Es war gerade sehr schön, mit ihr als verlässlichste Person im Unternehmen zusammenzuarbeiten. Am Ende jedes Geschäftsjahres lade ich meine Eltern ein und wir tauschen uns über alle Neuigkeiten und den Jahresverlauf aus.“
Du bist also mit dem Unternehmen aufgewachsen. Wusstest du sofort, dass dies dein Weg sein würde?
„Ich hatte mich zwar auch anders beworben, war aber noch sehr jung für viele Jobs. Walter gab mir damals die Möglichkeit, hier meine Ausbildung zu absolvieren, um anschließend die Welt weiter zu erkunden. Aber ich fand es sehr schön und war dadurch sehr motiviert. Ich lernte viel und besuchte bereits 2005 zum ersten Mal China und Hongkong. Dort gab es viele Möglichkeiten, vor Ort zu sehen und zu fühlen, wie die Branche funktioniert. Ich reise immer noch zweimal jährlich dorthin und wir arbeiten noch immer mit den gleichen Leuten zusammen. Alles wird handgemacht und ich respektiere die Arbeit all dieser Menschen.“
Dorfkind
„Wenn ich von Messen in großen Städten zurückkomme, freue ich mich immer, wieder nach Wanderup zu fahren. Freunde aus früheren Zeiten, die weggezogen sind, fragen mich manchmal, ob ich denn nicht mal die Umgebung wechseln wolle… Aber warum? Ich reise genug, sehe viel von der Welt, aber hier bin ich zu Hause, gehe mit meinem Hund spazieren, zusammen mit meiner Familie. Ich fühle mich freier als wenn ich in einer Großstadt leben würde. Ich bin ein Dorfkind.“
Was für ein Führer bist du im Unternehmen?
„Ich treffe meine Entscheidungen datenbasiert, aber auch aus einer Vision und einem Plan heraus. Ich bin kreativ und habe gute Ideen. Dabei muss man vorsichtig sein, damit man das Personal nicht überfordert. Ich finde es sehr wichtig, nicht der Engpass zu sein, sondern Menschen zu unterstützen und ihnen beiseitezustehen, damit sie selbst Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen können. Wenn ich nicht da bin, muss das Unternehmen weiterarbeiten können, und das klappt sehr gut mit diesem Team von 75 Personen: Jeder ist auf seinem Gebiet spezialisiert.“
Was fällt dir schwer und was gar nicht?
„Ich wollte immer ein Führer sein. Das macht mich glücklich und ich kann mir nicht vorstellen, etwas anderes zu tun, als ein Unternehmen zu leiten. Ich will entwickeln, schaffen und aufbauen, und das kann ich in meiner Position alles tun. Stell dir vor, du bist Profifußballer, hast aber Angst, im Rampenlicht zu stehen und Beispielsweise in der Allianz Arena mit 70.000 Zuschauern um dich herum hast du Angst, einen Fehler zu machen, dann ist das ein Handicap. Aber wenn du voll dabei bist und die sichtbare Rolle magst, dann gelingt es dir gut.
Was ich schwieriger finde, ist, wenn Menschen nicht fokussiert sind oder es nicht wirklich wollen. Ich will ein Team, das engagiert ist und nicht überall Probleme sieht. In meiner Rolle als CEO habe ich die Einstellung im Unternehmen auch zu mehr Flexibilität und Offenheit verändert. Wenn wir etwas ändern wollen, experimentieren wir. Wir probieren es gemeinsam aus und ich möchte, dass die Leute offen dafür sind. Ich weiß sehr gut, dass das Leben mehr ist als nur Arbeit und dass jeder auch eigene Probleme hat, sei es sozial oder beruflich, familiär oder gesundheitlich. Und ein Team kann dabei helfen, wenn in einem Bereich etwas nicht gut läuft! Ich kenne die Leute gut, die Familien und die Probleme, die auftreten. Meine Tür steht offen. Ich möchte, dass Menschen mit gutem Gefühl zur Arbeit kommen.
Wenn ich etwas nicht selbst lösen kann, frage ich Mentoren um Hilfe, um es besser zu verstehen und gegebenenfalls Maßnahmen zu ergreifen. Vor zwei Jahren habe ich zum Beispiel einen Coach engagiert und eine neue Unternehmensstruktur mit mehr verantwortlichen Positionen aufgebaut. So haben wir jetzt einen Head of Operations, Head of Finance, Head of Logistics und Head of Business Development, dessen Teil ich ebenfalls bin. Ich vertraue meinen Leuten und möchte nicht alles kontrollieren müssen. Ich bin kein Kontrollfreak.“
MiniFeet
Kannst du etwas über eure Marken erzählen?
„Lange Zeit hatten wir bei MBW keine eigenen Marken. Der Name stand zwar auf jedem Produktetikett, allerdings ohne weitere Angaben von uns. Das war so, weil wir die erste Station in der EU für die Produkte sind und unsere Kunden fürchteten, dass Verbraucher sonst direkt bei uns kaufen könnten. Als sich die Gesetzgebung änderte, mussten wir unseren Namen und unsere Adresse auf dem Produkt anbringen, da wir voll verantwortlich sind für das, was wir herausgeben. Und am Ende wollen die Distributoren auch nicht für eventuelle Fehler auf unserer Seite verantwortlich gemacht werden. Also konnten wir ab diesem Moment auch unsere eigenen Marken produzieren. Und das begann mit einer persönlichen Geschichte.

2011 wurde mein Sohn Lasse geboren und wir machten einen Abdruck seiner Fußsohle. Als wir mit unseren Kuscheltieren unter unserer eigenen Marke begannen, wurde das MiniFeet, mit dem Logo des Fußabdrucks meines Sohnes. Inzwischen hat er Schuhgröße 48,5… MiniFeet ist groß geworden, und die Kuscheltiere machen immer noch etwa die Hälfte unseres Umsatzes aus. Wir stellen auch Kleidung für die Kuscheltiere her und bedrucken sie. Später kam Schnabels hinzu, das sind die Entchen in verschiedenen Variationen, zum Beispiel für bestimmte Berufsgruppen oder für bestimmte Anlässe oder Feiern gefertigt. Und wir produzieren die Squeezies, die Stressbälle oder Stressfiguren in Form unseres eigenen Mr. Bert in verschiedenen Ausführungen. Die Anti-Stress-Figuren und Entchen werden größtenteils von Hand gefertigt. Heute haben wir eine enorme Kollektion. Einer meiner persönlichen Favoriten ist der Schmoozies Bildschirmschoner, er ist schön und hat eine Funktion.
Unsere Produkte sind sympathisch, sicher und von sehr guter Qualität. Dafür stehen wir. Man bekommt ein Lächeln zurück und das finde ich schön. Sie sind auch nachhaltig, weil Menschen solche fröhlichen Geschenke nicht so schnell wegwerfen. Im Bereich Nachhaltigkeit sind wir ständig dabei, uns zu erneuern. Aktuell erforschen wir die Möglichkeit, 50 Prozent der Entchen aus Getreidestängeln und 50 Prozent aus PVC herzustellen. Das bringt eine lustige Anekdote mit sich: Im April reiste ich mit einem Kollegen nach China, im Gepäck ein spezielles Paket mit Zutaten für biobasierten Kunststoff. Wir wollten sehen, ob wir das in der Produktion der Entchen verwenden können. Am Flughafen von Hongkong wurden wir rausgepickt und extra kontrolliert, weil man natürlich dachte, wir schmuggelten Drogen… Letztendlich wurden wir aber doch durchgelassen.“
JCK Holding
„2007 entschieden die Eigentümer Monika und Walter, mehr als 50 % des Unternehmens an die JCK Holding zu verkaufen. Wir sind zusammen mit vier weiteren Unternehmen aus der Werbeartikelbranche, Gustav Daiber, FARE, Halfar und SND, Teil dieser Familienholding. Der große Vorteil ist, dass wir zusammenarbeiten können. Auf Messen können wir in einem großen Stand unsere Marken promoten. Wir entwickeln gemeinsam unser eigenes ERP-System und investieren in KI-Lösungen. So haben wir auch besseren Zugang zu bestimmten Marken. Zum Beispiel haben wir die Rechte für Maja die Biene und einige Figuren von der Sesamstraße, wie Cookie Monster sowie Bert und Ernie, erworben. Das ist der große Vorteil, Teil der Holding zu sein.“
Manchmal läuft das Geschäft weniger gut, wie gehst du dann vor?
„2019 zogen wir in dieses neue Gebäude ein, mit allem, was wir uns wünschten und was für Wachstum vorgesehen war: 1100 Quadratmeter Bürofläche und 1100 Quadratmeter Lager, dazu noch zwei weitere Lagerplätze. Das war ein Höhepunkt meiner Karriere. Dann kam Corona ins Land. Das war hart. In solchen Momenten muss man als Leiter kühl und fokussiert bleiben und das Personal beruhigen. Niemand unserer Händler fragte noch nach unseren Produkten, es ging nur noch um Desinfektionsmittel und Mundschutz. Dann starteten wir die Kampagne ‚Wir bleiben stark‘. Das bedeutete, dass wir kostenlose Geschenke für Helden lieferten (zum Beispiel aus Pflege oder Bildung), die von anderen vorgeschlagen wurden. Wir baten allerdings um ein Foto dieser Helden mit unserem Produkt. Das war eine schöne Möglichkeit, unseren Vertriebspartnern zu zeigen, dass Produkte Menschen glücklich machen. Und es veränderte unsere eigene Denkweise, Nachfrage zu schaffen und nicht nur abzuwarten.“
Wo sind eure Kunden?
„Unsere internationalen Partner sind weltweit zu finden. Unsere Self-Service-Tools machen es sehr einfach, von überall eine Bestellung zu tätigen, die einzigartig für das jeweilige Unternehmen oder die Einrichtung ist. Über unsere Website-Tools kann man eine ‚Mix und Match‘ ganz nach Geschmack erstellen. Also zum Beispiel ein Kuscheltier und ein T-Shirt mit einem Logo kombinieren. Man sieht dann nicht nur, wie das Logo und der Druck aussehen können, sondern man kann auch den Hintergrund anpassen, um sich eine bessere Vorstellung von der Einsatzmöglichkeit des Geschenks zu machen. Es heißt ‚Create AI Inspiration‘ und man braucht dafür überhaupt kein grafisches Talent! Wir haben verschiedene KI-Tools kombiniert, sodass sehr gute Inspirationsbilder erstellt werden können, bei denen das Entchen oder das Kuscheltier und das Logo von der KI ‚indexiert‘ werden und basierend darauf eine passende Umgebung im Bild erzeugt wird. Unsere Kunden können außerdem einfach sehen, ob die Mengen auf Lager sind, und den finalen Preis. Anschließend werden die Produkte per Roboter auf die Produktionsfläche gebracht.“
Die freiwillige Feuerwehr
Was sind deine Hobbys?
„Ich habe mich als Kind schon mit DJ-Arbeit beschäftigt. Ich liebte es, Menschen mit guter Musik glücklich zu machen, und das mache ich noch immer gern. Ich mag alle Arten von Musik, Rock ebenso wie Techno und Schlager. Seit meiner Jugend spiele ich auch Handball. Das ist hier im Norden sehr groß und wir haben einige der besten Clubs der Welt. Mannschaftssport ist gut, weil man es mit seinem Team und mit einem Gegner zu tun hat, und das kann man auf das Geschäftsleben und das Führen eines Unternehmens übertragen. Außerdem bin ich von klein auf Freiwilliger bei der Feuerwehr. Kürzlich habe ich eine Medaille für 30 Jahre bei der freiwilligen Feuerwehr erhalten. Mein Vater und mein Sohn sind dort auch dabei, es ist also ein ‚Familienhobby‘. Wir erhalten etwa 30 bis 40 Einsätze pro Jahr. Das ist mir sehr wichtig. Auch dort kann man viel lernen, zum Beispiel über Führung in stressigen Situationen. Und man sieht dann, neben den fröhlichen Produkten, die wir hier herstellen, auch die wichtigen Dinge im Leben, ja, auch die traurigen. Manchmal denken wir, wir hätten Probleme, aber dann sehe ich, dass es wirklich wichtige Dinge gibt, die gelöst werden müssen. Das ist so gut ausbalanciert.“
Was gibt dir Energie?
„Zuerst meine Familie und Freunde. Ich bin verheiratet, wir haben zwei Kinder, einen 14-jährigen Sohn und eine 12-jährige Tochter, und einen Hund. Meine Frau ist Krankenschwester auf der Intensivstation und hat ein eigenes Unternehmen als alternative Heilpraktikerin. Mein Sohn möchte eines Tages hier arbeiten. Außerdem geben mir meine Hobbys Energie und auch das Team hier. Wenn man ein gut funktionierendes Team hat, gibt das viel positive Energie. Ich arbeite sehr hart, aber wenn an einem Freitagnachmittag die Sonne scheint, kann ich auch mit meiner Familie in die Stadt gehen. Das ist ein gutes Gefühl.“
Wenn du etwas anderes im Berufsleben geworden wärst, was wäre es gewesen?
„Feuerwehrmann, daran besteht kein Zweifel. Selbst wenn ich im Ausland bin, besuche ich gern Feuerwehren. Man hilft Menschen wirklich, man tut Gutes. Im Geschäftsleben versuche ich, etwas Ähnliches zu tun, auch wenn es kein Leben-oder-Tod-Thema ist. Ich kann nur etwas machen und verkaufen, wenn ich voll dahinterstehe.“
