Die diesjährige Jahreshauptversammlung (JHV) des GWW in Bonn bot einen Rückblick auf die Verbandsarbeit der vergangenen Monate und stellte gleichzeitig wichtige personelle sowie strategische Weichen für die kommenden Jahre.
Den Auftakt machte Prof. Dr. Michael Kleinjohann mit einem Vortrag über den Werbeartikel als oftmals unterschätztes, aber besonders wirkungsvolles Kommunikationsmedium. Im anschließenden Vortrag von UmsatzCoach Klaus Schinko ging es um Vertriebsthemen. Die Inhalte wurden jedoch von vielen Teilnehmern unterschiedlich aufgenommen Im Publikum saßen überwiegend langjährige Vertriebsprofis, für die grundlegende Vertriebsthemen wie die Bedeutung der telefonischen Kundenansprache wenig Neues boten. Ergänzt wurde das Programm durch einen Einblick der GWW Young Professionals in ihre aktuellen Projekte und Aktivitäten.
Auch personell beginnt für den Verband ein neues Kapitel. Nach mehr als 25 Jahren verabschiedet sich Ralf Samuel zum 30. Juni aus der Geschäftsführung. Künftig übernimmt Ralf Uwe Schneider die alleinige Leitung des GWW. Samuel bleibt dem Verband erhalten und wird seine Erfahrung künftig im Hintergrund einbringen.
Veränderungen gibt es auch im Veranstaltungsportfolio. Die Frühjahrsausgabe der GWW-Trend wird 2027 nicht stattfinden. Als Gründe nennt der Verband rückläufige Aussteller und Besucherzahlen sowie die zeitliche Verlagerung der Newsweek, wodurch der bisherige Händlertag zum Auftakt entfällt.
Ein weiterer Schwerpunkt war die politische Interessenvertretung der Branche. Gemeinsam mit Partnerverbänden setzt sich der GWW weiterhin für eine Reform der steuerlichen Rahmenbedingungen für Werbeartikel ein und ruft seine Mitglieder dazu auf, diese Initiative aktiv zu unterstützen. Ralf Uwe Schneider informierte über die vollzogene Gründung und aktuelle Entwicklungen im EAC (European Associations Cooperation). Auf die Frage, wie die positiven Ergebnisse wissenschaftlicher Studien auch in Zusammenarbeit mit dem EAC künftig noch stärker genutzt werden könnten, um Industrieunternehmen vom Werbeartikel als wirkungsvollem Marketinginstrument zu überzeugen, blieben konkrete neue Maßnahmen allerdings aus. Stattdessen verwies der Verband auf bestehende Kommunikationsmaterialien und lud die Mitglieder ein, eigene Ideen und Impulse einzubringen.
Zum Abschluss präsentierte das IFH Köln die aktuellen Ergebnisse des Werbeartikel-Monitors. Demnach erwirtschaftete die deutsche Werbeartikelbranche im Jahr 2025 einen Umsatz von rund 3,2 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Rückgang von fünf Prozent und verdeutlicht, dass die Branche weiterhin vor wirtschaftlichen Herausforderungen steht.
Nachdenklich stimmte in diesem Jahr auch die Beteiligung an der JHV selbst. Von insgesamt 449 Mitgliedsunternehmen war nicht mal ein Viertel der stimmberechtigten Unternehmen vertreten. Sicherlich mögen der Termin oder die hochsommerlichen Temperaturen ihren Anteil daran gehabt haben. Gleichzeitig wirft die geringe Beteiligung die Frage auf, wie stark der Wunsch nach einer gemeinsamen Interessenvertretung tatsächlich gelebt wird. Gerade in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten lebt ein Verband vom Engagement seiner Mitglieder.
Neben den offiziellen Programmpunkten bot die JHV wieder zahlreiche Gelegenheiten zum persönlichen Austausch. Das Networking bleibt für viele Teilnehmer ein wichtiger Bestandteil der Veranstaltung.
Die Werbeartikelbranche befindet sich derzeit in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Neben den konjunkturellen Herausforderungen sowie Fusionen, Übernahmen und Firmenschließungen verändern Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und ein sich wandelndes Marketing- und Einkaufsverhalten die Branche nachhaltig. Gleichzeitig gilt es weiterhin, den Werbeartikel als wirksames Marketinginstrument im Kommunikationsmix zu positionieren. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die Jahreshauptversammlung künftig neben der klassischen Verbandsarbeit noch stärker als Plattform für Wissenstransfer, Weiterbildung und den Austausch über Zukunftsthemen genutzt werden sollte. Vielleicht liegt genau hierin eine Chance, wieder mehr Mitglieder für die Veranstaltung zu begeistern und den gemeinsamen Austausch innerhalb der Branche weiter zu stärken.
