Wer bei L-Shop in Deutschland eintritt, sieht keinen Großhandel, wie man ihn vielleicht erwartet. Keine staubigen Regale, kein Kartonchaos, keine Menschen, die mit Lieferscheinen durch die Gänge schlendern. Was man sieht, ist eine logistische Maschine. Ein beeindruckendes Lagerhaus, in dem Technik, Geschwindigkeit und Präzision zusammenkommen. Mit einem gigantischen AutoStore-Robotersystem, automatischen Kartonfaltmaschinen und intelligenten Prozessen hat sich L-Shop zu einem Akteur entwickelt, der zeigt, wohin sich der textile Großhandel bewegt.
Trotzdem beginnt die Geschichte auffallend bescheiden. L-Shop wurde 1981 von Andreas Herrmanns Vater und einem Geschäftspartner gegründet. Nicht als textiler Großhandel, sondern als Druckerei für Werbeartikel: Luftballons, Stifte, Aufkleber und auch Textilien. „Textilien waren einer der Artikel“, erzählt Andrea. Erst später rückte das Unternehmen immer mehr in Richtung Bekleidung. 2011 stellte L-Shop endgültig das Bedrucken ein und wurde zum reinen Textilgroßhandel.
Andrea kam 2013 in das Unternehmen. Ihre Schwester folgte 2020. Inzwischen sind die Schwestern zusammen Eigentümerinnen, jeweils zu 50 Prozent. Damit ist L-Shop wieder ein vollständig familiengeführtes Unternehmen. Und das ist spürbar. Nicht in Nostalgie oder dem Wunsch nach Bewahrung, sondern gerade in der Art, wie sich das Unternehmen entwickelt: Schritt für Schritt, aber immer vorwärts. “L-Shop hat nie stillgestanden”, sagt Andrea. „Wir haben immer neue Dinge ausprobiert, aber nie Schritte gemacht, die uns zu diesem Zeitpunkt zu groß waren.“ Das klingt vorsichtig, aber wer das Lager sieht, weiß es besser. Die Investition in die Logistik ist alles andere als klein. L-Shop ist für viele Kunden faktisch das externe Lager.
Drucker und Wiederverkäufer müssen selbst keine großen Bestände halten. Sie bestellen, was sie brauchen, oft für die Lieferung am nächsten Tag. Damit übernimmt L-Shop ein wichtiges Risiko ihrer Kunden: Bestand, Verfügbarkeit und Schnelligkeit. Diese Rolle wird immer wichtiger.



