Das Lager als Motor des Textilhandels

Von Suzanne Jacobs Jul 2, 2026

Wer bei L-Shop in Deutschland eintritt, sieht keinen Großhandel, wie man ihn vielleicht erwartet. Keine staubigen Regale, kein Kartonchaos, keine Menschen, die mit Lieferscheinen durch die Gänge schlendern. Was man sieht, ist eine logistische Maschine. Ein beeindruckendes Lagerhaus, in dem Technik, Geschwindigkeit und Präzision zusammenkommen. Mit einem gigantischen AutoStore-Robotersystem, automatischen Kartonfaltmaschinen und intelligenten Prozessen hat sich L-Shop zu einem Akteur entwickelt, der zeigt, wohin sich der textile Großhandel bewegt.

Trotzdem beginnt die Geschichte auffallend bescheiden. L-Shop wurde 1981 von Andreas Herrmanns Vater und einem Geschäftspartner gegründet. Nicht als textiler Großhandel, sondern als Druckerei für Werbeartikel: Luftballons, Stifte, Aufkleber und auch Textilien. „Textilien waren einer der Artikel“, erzählt Andrea. Erst später rückte das Unternehmen immer mehr in Richtung Bekleidung. 2011 stellte L-Shop endgültig das Bedrucken ein und wurde zum reinen Textilgroßhandel.

Andrea kam 2013 in das Unternehmen. Ihre Schwester folgte 2020. Inzwischen sind die Schwestern zusammen Eigentümerinnen, jeweils zu 50 Prozent. Damit ist L-Shop wieder ein vollständig familiengeführtes Unternehmen. Und das ist spürbar. Nicht in Nostalgie oder dem Wunsch nach Bewahrung, sondern gerade in der Art, wie sich das Unternehmen entwickelt: Schritt für Schritt, aber immer vorwärts. “L-Shop hat nie stillgestanden”, sagt Andrea. „Wir haben immer neue Dinge ausprobiert, aber nie Schritte gemacht, die uns zu diesem Zeitpunkt zu groß waren.“ Das klingt vorsichtig, aber wer das Lager sieht, weiß es besser. Die Investition in die Logistik ist alles andere als klein. L-Shop ist für viele Kunden faktisch das externe Lager.

Drucker und Wiederverkäufer müssen selbst keine großen Bestände halten. Sie bestellen, was sie brauchen, oft für die Lieferung am nächsten Tag. Damit übernimmt L-Shop ein wichtiges Risiko ihrer Kunden: Bestand, Verfügbarkeit und Schnelligkeit. Diese Rolle wird immer wichtiger.

Bestellungen werden kleiner, Kunden wollen weniger Lagerhaltung und der Markt verlangt mehr Flexibilität. Genau darin liegt die Stärke von L-Shop. Nicht nur durch das riesige Sortiment, sondern vor allem durch die Zuverlässigkeit der Abläufe. Waren werden zu mehreren Zeitpunkten überprüft: beim Eingang, bei der Lagerung im AutoStore und bei der Auslieferung. Dadurch bleibt die Fehlerquote niedrig.

Gleichzeitig schaut Andrea über Kartons und Roboter hinaus. Die Zukunft des textilen Großhandels liegt ihrer Ansicht nach auch in der digitalen Unterstützung. Online-Kataloge und andere digitale Lösungen sollen Kunden helfen, Textilien besser online zu präsentieren und zu verkaufen. “Viele Kunden können solche Systeme nicht selbst entwickeln. Dabei können wir sie unterstützen.”

Der Markt ist nicht einfach. Deutschland befindet sich wirtschaftlich in schwierigen Zeiten und auch Nachhaltigkeit scheint derzeit weniger im Vordergrund zu stehen. Aber Andrea sieht darin keinen Endpunkt. „Regeln, Erwartungen und Marktdruck werden Nachhaltigkeit wieder wichtiger machen. Und Veränderung gehört zum Unternehmertum. Natürlich bekommen wir Rückschläge, nehmen wir beispielsweise die Automobilindustrie.

Aber gleichzeitig entstehen auch wieder Chancen. Schauen Sie auf Investitionen im Bereich etwa Verteidigung. Und all diese Mitarbeiter brauchen unsere Kleidung.“ L-Shop beweist, dass ein Familienunternehmen nicht altmodisch sein muss. Ganz im Gegenteil. Diese Zwillingsschwestern wissen genau, welchen Kurs L-Shop fahren muss, um erfolgreich zu bleiben.